1,5 Jahre im Besitz einer Lobkarte

Emil (4,5 Jahre) geht seit mittlerweile 1,5 Jahren einmal die Woche zum Kindersport - aber warum? 
Wohl weil sein Papa zweimal die Woche zum Sport geht und weil auch seine Mama zumindest das Gleiche versucht (Ehrlichkeit währt am längsten).

Eines Tages kam er dann also einfach an und fragte: gibt es sowas nicht auch für Kinder? Ich möchte auch zum Sport gehen. 
Gefragt, getan - angemeldet und los.

Er ging nun also zum Kindersport, war mega stolz auf sein cooles Vereins-Shirt und zog sich über Bänke, kugelte über Matratzen und warf Reissäckchen durch Ringe. Lernte Krebsgang, Kniehebelauf und natürlich "Feuer, Wasser, Sturm".

Ich finde die Betreuer dort wirklich super, sie sind sehr nah an den Kindern dran - bieten vielfältige Übungen und Spiele ohne dabei zu überfordern. Aber wie immer das Wichtigste für mich: Emil hat sichtlich Freude daran.




Von Anbeginn gab es da allerdings ein ganz anderes System der "Motivation", eine Lobkarte - ganz ehrlich, ich hasse ja diesen Wisch. Stempel sammeln für "gute Leistung" ist ja so gar nicht meins.

Erpressung ist in der Umkleide quasi Programm - "denk an deinen Stempel, geh jetzt sonst bekommst du keinen Stempel" ....
Ich mag mich da gar nicht so reinhängen, aber ich glaube schon, dass dadurch die Freude an der Bewegung ganz flöten geht.

Nun könnte man auch darüber sprechen, ob Kurse jeglicher Art überhaupt notwendig sind in diesem jungen Alter und ich hatte darüber erst eine lange Unterhaltung mit der lieben Meron.
Klar, unser Alltag ist auch so aktiv genug: klettern geht schließlich im Wald genauso gut wie auf dem Spielplatz, Wettrennen gehen praktisch immer und auch gemeinsames Schwimmen oder Schlittschuh Laufen wird mehr Thema. 
Beide Jungs konnten ja kaum laufen und schon sind sie mit Papas Hockeyschlägern durch die Wohnung gedonnert (an dieser Stelle mal wieder ein Hoch auf Lautstärke-tolerante Nachbarn). 
Sie haben von Anfang an erlebt, wie Papa und Mama mit Freude zum Sport gehen und ausgelassen wieder zurück kommen. Sie sitzen bei Papas Hockeyspielen in der ersten Reihe und sind seine größten Fans.

Doch gerade deswegen glaube ich, dass es für Emil so wichtig war etwas für sich allein zu haben - er interessiert sich da auch null für die anderen Kinder, nicht dass er unsozial wäre, aber in dieser Stunde geht es ihm ausschließlich um seinen Sport.
Wir haben auch schon oft über diese Lobkarte gesprochen. Ich sagte ihm immer wieder, dass er nicht zum Sport gehen muss, er darf, wenn er Lust drauf hat. Neulich dann: wie findest du es eigentlich, dass es am Ende der Stunde immer einen Stempel gibt?


"Doof, man muss immer solange anstehen. In der Zeit könnten wir lieber noch eine Runde Hopserlauf machen." 


Ehrlich, es freut mich das Emil ähnlich über seine Lobkarte denkt. Wie sooft hat er mir gezeigt, dass er so viel weiter ist, als ich dachte. 
Klar sucht er sich gern irgendeinen Kleinkram raus, wenn die Karte voll ist, aber vor allem geht er einfach gern zum Sport.



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