über die schwierige Übergangsphase

Sobald bei dem jüngeren Geschwisterkind Bewegung ins Spiel kommt, ist sie da: die schwierige Übergangsphase.

Schwierig, weil es deutlich anspruchsvoller wird beiden Kindern gerecht zu werden, vor allem wenn sie sich wie bei uns ein gemeinsames Zimmer teilen. Schwierig wohl vor allem, weil das jüngere Kind beginnt in die bisher alleinigen Bereiche der Großen vorzudringen. 

Es geht ganz sachte los - hier mal einen Turm umwerfen, dort mal die Eisenbahnstrecke auseinander nehmen und da mal das Lieblingskuscheltier vom großen Bruder komplett durchsabbern. 
Am Anfang fand Emil das ja noch ganz lustig - wie Oskar sich bewegte und die Aussicht darauf, dass er nun bestimmt ganz bald mit seinem kleinen Bruder spielen könne, steigerte Emils Willen zur Kooperation.

Eine Woche später hieß es dann nur noch: Mama, der Oskar schmeißt immer meinen Turm um. Mama, der Oskar hat dieses... Mama, der Oskar macht jenes... 
Ich habe immer versucht mich so oft wie möglich aus den Konflikten meiner Jungs rauszuhalten - damit die beiden in direktem Kontakt bleiben und nicht über mich als Vermittler ihre Probleme lösen. 
Auch hatte Emil immer die Wahl, ob er lieber allein in seinem Zimmer sein möchte oder nicht. Aber da war er ganz bestimmend, Oskar sollte uuunbedingt bleiben und so hat Emil sich immer neue Strategien überlegt:

Erst hat sich immer am anderen Ende vom Zimmer platziert und für Oskar eine Menge Ablenkung in Form von Entdecker-Körben (mehr zu den ersten Körben für Babys findet ihr hier) zum Ausräumen bereitgelegt. Während dieser Zeit war Emil natürlich nicht mehr so vertieft in sein Spiel wie vorher, aber ich ließ die beiden gewähren und eins kann ich zur Beruhigung schon mal vorweg sagen: es wird auch wieder besser.
Je selbstständiger das kleine Geschwisterkind wird und sobald es besser versteht, dass es gern beim Großen zuschauen, aber nicht unterbrechen darf, neigt sich dieser Übergang dem Ende zu.

Obwohl wir streckenweise selbst nicht die optimalste Lösung für beide Jungs hatten, möchte ich gern ein wenig aus den Erlebnissen der letzten Monate mit euch teilen:




Kommunizieren mit den Großen

Es war/ist mir sehr wichtig, dass Emil sich stets in seinen Bedürfnissen wahrgenommen und nicht hinten an gestellt fühlt - so eine Enttrohnung ist schließlich eine schwere Krise im Leben eines Kindes (einen ganz tollen Beitrag zum Thema Enttrohnung der Erstgeborenen findet ihr hier bei Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn). 

Als Oskar begann sich für die Spielzeuge von Emil mehr zu interessieren als für seine eigenen, erklärte ich Emil, dass es gefährlich für Oskar sein kann, wenn er sich an den Perlen, den Nägeln und all dem anderen Kleinkram verschluckt. 
Emil entschied daraufhin, dass wir einfach alles ein Stockwerk höher stellen könnten. Der absolute Klassiker: funktionierte auch ein paar Wochen sehr gut.

Dann begann Oskar mit dem Hochklettern und eine neue Lösung musste her. Emil meinte zwar, er könne ja erstmal auf seine Perlen verzichten und er möchte sie erst wieder in sein Regal, wenn Oskar so groß ist wie er selbst.. aber solange konnte er dann doch nicht warten 


Freiraum gewähren 

wenn Emil nun gern mit seinen Bügelperlen steckern wollte, dann haben wir das auf die Küche verlagert, oder er hat damit während des Mittagsschlafes von Oskar gespielt. Diese Zeit hat er oft ganz für sich allein eingefordert und die war/ist ihm auch sehr wichtig. 
Wenn er sagt er möchte allein sein dann darf er das auch sein - umgekehrt natürlich genauso, wobei Oskar seinen großen Bruder einfach anhimmelt und immer am liebsten direkt neben ihm ist.





Diese Zeit ist geprägt von vielen Kompromissen, viel Ausprobieren und beobachten wie die Kinder auf die neue Situation reagieren. Doch am wichtigsten: viel, viel Reden mit den Großen
Sie müssen immer wissen, dass ihr Platz in unserem Herzen sicher ist und dann sind sie auch eher bereit diesen Kompromiss einzugehen.

Sicherlich ist diese Übergangs-Phase stark von den vorhandenen Räumlichkeiten und dem Altersabstand der Geschwisterkinder abhängig. Wir haben uns ganz bewusst für ein gemeinsames Zimmer entschieden und Emil und Oskar bestätigen das auch - Geschwister gehören zusammen und gemeinsam ist auch diese schwierige Zeit leichter zu ertragen.
Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Habt ihr noch weitere Tipps zum Thema, dann hinterlasst doch bitte einen Kommentar.




1 Kommentare:

  1. Wir haben Spiele, zu erst die Puzzle und jetzt auch die ersten Brettspiele auf den Küchentisch verlagert. Jetzt klappt aber zB das Basteln und Malen gemeinsam am Kinderzimmertisch.
    Das Türme und Eisenbahnstreckenzerstören hält aber noch an und frustriert. Aber auch das wird sich geben. Schön ist vielmehr zu beobachten, dass sie immer mehr zusammen spielen, ihnen wichtig ist, dass der andere dabei ist.
    Meine Kinder sind 3 1/2 und fast 2.
    Viele Grüße Stefanie

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