geboren ist geboren oder was mich die Geburt meines zweiten Kindes lehrte

Emil lag bis zum Tag seiner Geburt in einer Beckenendlage. Es gibt in unserer Stadt ein einziges Krankenhaus, welches eine spontane Geburt in dieser Geburtslage überhaupt ermöglicht - allerdings stand für mich absolut fest, dass ich eine spontane Geburt haben werde.
Einst schrieb ich über den stärksten Jungen der Welt - Emils schweren Start ins Leben (hier nachlesen). Was ich damals jedoch wegließ, war die Geburt an sich. 

Der Grund dafür war schlicht Scham - ich habe mich nicht getraut zuzugeben, dass Emil per Kaiserschnitt zur Welt gekommen ist. 
Er hatte sich während  der Geburt von Beckenendlage in totale Fußlage gestreckt und ist wortwörtlich im Geburtskanal stecken geblieben und es folgte ein kompletter Geburtsstillstand. Den Moment als ich auf einmal keine Wehen mehr spürte, werde ich wohl nie vergessen..

Emil kam also per "Notkaiserschnitt" auf die Welt und ich fühlte mich als Versager.





Heute und vor allem nachdem ich ein zweites Kind auf natürlichem Wege geboren habe, verstehe und begreife ich endlich die Worte meiner Hebamme, die damals noch im OP-Saal zu mir sagte: 


"Es gibt keinen Orden auf dem steht, ich habe natürlich geboren. 
Geboren ist geboren!" 


Und beide Geburten sind eine Leistung meines Körpers gewesen - so oder so. Ich hatte immer das Gefühl nichts zu der Geburt von Emil beigetragen zu haben, habe mich als schlechte Mutter gefühlt, unfähig ihr eigenes Kind auf die Welt zu bringen. 

Doch heute beginne ich endlich zu begreifen, dass keine Geburt besser oder schlechter ist - jede Geburt macht uns zu Müttern - geboren ist geboren.

2 Kommentare:

  1. Schöne Gedanken! Ich habe eine natürliche Geburt und einen Kaiserschnitt und hinterher dachte ich, ach, vielleicht hätte ich die Zwillinge doch natürlich gebären können und etwas bedauert, dass ich es nicht probiert habe. Aber dazu gibt es auch einen schönen Blogpost bei "einer schreit immer". Dort wird augenzwinkernd Punkte verteilt für natürliche Geburt, stillen und in dem Zusammenhang auch bei Zwillingen. Das hat mir persönlich geholfen beim unsäglichen Vergleichen (und Wettbewerb) mit der nächsten Zwillingsmutter hier im Ort, die natürlich entbunden hatte und auch noch beide Zwillinge stillen konnte.
    Ganz liebe Grüße!

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    1. Ach du Liebe, das Vergleichen ist so kräftezehrend und wahres Gift für die eigene Seele. Du wirst deine Gründe gehabt haben für deine Entscheidung und allein eine Zwillingsschwangerschaft ist bestimmt schon mehr als anstrengend. Auch ein Kaiserschnitt ist eine Leistung des Körpers und du hast sie für deine Kinder auf dich genommen!
      Alles, alles Liebe für dich und deine Familie.

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