Die Theorie der sensiblen Phasen

Oft habe ich sie in meinen Beiträgen schon erwähnt, die sogenannten sensiblen PhasenDoch was bedeutet es sensibel für eine bestimmte Phase zu sein? Welche Phasen überhaupt und wann genau? Und was geschieht eigentlich wenn man diese Phasen verpasst? Im Folgenden hoffe ich ein paar Antworten auf all diese Fragen geben zu können.






Die sensiblen Phasen nach Maria Montessori sind als vorübergehende Abschnitte einer unterschiedlich hohen Lernbereitschaft und -fähigkeit in der Entwicklung eines jeden Kindes zu verstehen. Das Kind ist sozusagen nicht nur bereit etwas zu lernen, sondern etwas ganz bestimmtes zu lernen - eben das worauf es gerade sensibilisiert, oder wofür es gerade besonders empfänglich ist. 
Das Kind "entscheidet" dies selbst, quasi von innen heraus und ganz individuell, auch ohne sich dessen bewusst zu sein, wann es was genau für sich erlernen will. 

Die sensiblen Phasen ermöglichen dem Kind demnach überhaupt erst den Erwerb einer bestimmten Fähigkeit und sie sind zudem endlich. 

Das bedeutet, sie klingen wieder ab und treten nicht erneut auf, ob sich das Kind die entsprechende Fähigkeit nun erwerben konnte oder nichtJedoch enden die sensiblen Phasen nicht abrupt von heute auf morgen, sondern sie können mitunter Jahre andauern.

Innerhalb einer sensiblen Phase reichen schon die minimalsten Anregungen in der Umgebung aus, um maximale Ergebnisse hervorzubringen. Diese Ergebnisse können so bedeutend sein, dass sie später nie wieder vergessen werden - sitzen, laufen oder die eigene Muttersprache zum Beispiel. Desweiteren stellte Montessori fest, dass alle Kinder auf der Welt diese verschiedenen Phasen durchlaufen und so sind Kinder im Alter von 0-6 Jahren sensibel für Bewegung (Hand, Gleichgewicht, Laufen), Sprache (Gehör, Verständnis, Lautbildung), Ordnung (Orientierungsfunktion), Sinneserziehung und Sozialverhalten.

So stellt ein Lauflernwagen beispielsweise für einen 3-Jährigen keine Herausforderung mehr dar, er benötigt ihn schlichtweg nicht mehr, da er bereits Laufen kann - die sensible Phase für das Laufen Lernen ist somit einfach schon vorbei. Ein Einjähriges Kind hingegen könnte sich diesen Gegenstand schon viel eher zu nutze machen, da das Laufen lernen in diesem Alter in etwa bevorsteht.

Doch wie werden wir nun auf eine sensible Phase bei unseren Kindern aufmerksam? Als Hilfestellung empfinde ich ganz allgemeines Wissen über die Kindesentwicklung sehr nützlich. Für die individuellen Bedürfnisse und den Entwicklungsstand eines jeden einzelnen Kindes, bedarf es jedoch einer genaue Beobachtung. 
Was tun sie? Wie tun sie etwas? Wann, wo, wie lange? Mit wem? etc.

Stellen wir dabei eine Sensibilität fest, heißt es für uns, uns diese Phase für die Erziehung nutzbar zumachen - unsere Kinder also entsprechend ihrer Empfänglichkeit zu unterstützen. Diese Unterstützung spiegelt sich nach Montessori in einer angemessen gestalteten und vorbereiteten Umgebung wieder
Eine Umgebung in der unsere Kinder die freie Wahl über ihre Tätigkeiten haben dürfen - denn unsere Kinder wissen selbst am besten was sie für ihre Entwicklung benötigen - sie wählen sich ihre Aufgaben gemäß ihrer derzeitigen Sensibilität selber aus. Wir müssen ihnen lediglich diese freie Auswahl gewähren und unsere Umgebung den Bedürfnissen des Kindes entsprechend anpassen. 
Folgend können wir ihnen nur noch Angebote machen, ob sie sie jedoch annehmen (da sie dafür gerade sensibel sind), liegt bei dem Kind selbst. Die Entscheidung des Kindes muss zu jeder Zeit respektiert werden.

Die Sensibilität des Kindes kann nämlich auch ins Leere laufen, wenn es dem Kind nicht ermöglicht wird das zu lernen was es gerade lernen möchte, sondern stattdessen von Erwachsenen zu etwas ganz anderem gedrängt wird.
Auch wenn die Umgebung nicht der sensiblen Phase des Kindes entsprechend gestaltet ist, bleibt die besondere Empfänglichkeit quasi unbeantwortet. 

Was geschieht jedoch wenn eine sensible Phase von der Umwelt nicht bedient wurde? Der mühelose Erwerb der betreffenden Fähigkeit geht damit tatsächlich verloren. Nun bedarf es einem hohen Maß an Motivation, Durchhaltevermögen und Anstrengung um die Fähigkeit dennoch zu erlangen.
Das beste Beispiel bildet wohl der Spracherwerb. Kinder, die zweisprachig aufwachsen und vom Tag ihrer Geburt (und natürlich schon im Mutterleib) von zwei verschiedenen Sprachen umgeben sind, werden diese zwei Sprachen in sich aufsaugen und später auch beide fließend sprechen können. Doch wie schwer es bereits einem 10 Jährigen fallen kann eine zweite Fremdsprache zu lernen oder gar uns Erwachsenen, verdeutlicht diese unbewusste Leichtigkeit des Lernens innerhalb einer sensiblen Phase.


2 Kommentare:

  1. Hi,
    I love reading your work but it seems that recently the translate widget has gone missing making it very difficult for me to enjoy your insight.

    Kind Regards
    Belinda Francis

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    1. Hi Belinda,
      thank you so much for your comment, I replaced the translation widget.
      I am sorry for the circumstances.

      Love, Mathilda

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