Kinder in der Küche




Herzlich Willkommen zur Küchenwoche, da das Thema Kinder in der Küche mir eine ganz besondere Herzensangelegenheit ist, werden diese Woche drei Beiträge zu diesem Thema erscheinen, an denen ich schon sooo lange arbeite. Heute schreibe ich zunächst über die große Bedeutung der sinnvollen Tätigkeit für unsere Kinder. Am Donnerstag folgen dann geeignete Gerätschaften für die Küchenarbeit und am Samstag zeige ich abschließend unsere Umsetzung für Zuhause unter anderem Emils Küchenregal.





"Maria Montessori hat erklärt, warum Kinder in den ersten Lebensjahren so sehr darauf drängen, an solchen Alltagsverrichtungen teilzuhaben. Diese Arbeiten erfüllen für sie einen ganz anderen Zweck als für uns Erwachsene: Die Aufgabe des Kindes besteht darin, den Menschen zu schaffen, zu dem es werden muss. Während Erwachsene arbeiten, um ihre Umwelt zu verbessern, arbeiten Kinder, um sich selbst zu verbessern." 




"Haushaltstätigkeiten sind genau das, womit sich Kinder in diesem Alter (1 bis 4 Jahre) gerne beschäftigen wollen: Tätigkeiten, bei denen sie ihre Muskeln anstrengen können und die zu sichtbaren Ergebnissen führen, die sowohl den Kindern selbst als auch den Menschen in ihrer Umgebung nützlich sind.
Solche Tätigkeiten sind für die Kinder eine wunderbare Möglichkeit, ihre motorischen Fähigkeiten zu verbessern und gleichzeitig das befriedigende Gefühl zu erleben, mit einer Tätigkeit ein konkretes Ziel zu erreichen wie das Essen zu zubereiten. (...) Sobald das Kind beginnt, mit uns zu leben, müssen wir unser Leben so organisieren, dass es seinen Bedürfnissen gerecht wird. Wir müssen eine geeignete Umgebung für die Entwicklung des Kindes vorbereiten." 

So wird beispielsweise eine Spielküche für Montessori Kinder schlichtweg unnötig, da die Kinder ihrem inneren Bedürfnis nach sinnvollen Haushaltstätigkeiten (damit ist natürlich nicht nur Küchenarbeit gemeint) in der realen Welt nachkommen dürfen. Es geht darum den Kindern Zutritt zur eben dieser realen Welt zu gewährenihnen diese Aufgaben zu zutrauen und nicht darum ihnen eine Ausweichmöglichkeit in Form einer Spielküche zu bieten. 
Das "so tun als ob" des Rollenspiels in einer Spielküche dient keinem realen Zweck und ist daher mit der tatsächlich geleisteten Arbeit der Kinder in einer richtigen Küche nicht vergleichbar. 

"Statt ihnen zu erlauben, den Umgang mit nützlichen Werkzeugen des täglichen Lebens zu üben, geben wir ihnen Spielzeuge, die ihnen keine echten Lernerfahrungen bieten."





"Nimmt man aktiv am Alltagsleben teil, steigert sich dadurch das Selbstwertgefühl."


Montessori Kinder dürfen diese Erfahrungen erleben, indem sie Haushaltstätigkeiten erledigen dürfen. Sie merken dadurch, dass sie ihre Umwelt aktiv verändern können und spüren so, dass sie etwas Wert sind. 
"Die Empfindung >Ich bin etwas wert< verknüpft sich mit der zuvor gemachten Erfahrung >Ich kann etwas tun<, beide verbinden sich zu dem Gefühl, zu sinnvollen Arbeiten in der Lage zu sein."

Wenn Emil mir beim Essen kochen hilft und anschließend am Tisch dem Papa erzählt was denn eigentlich alles in dem Salat drin ist und wobei er alles geholfen hat, ist er sichtlich stolz auf sich selbst. Es bedarf da keinerlei zusätzliches Lob von uns, denn diesen Stolz und diese Freude hat er sich selbst, für sich selbst, erarbeitet. 





Wenn wir jedoch Besuch haben und Emil in der Küche werkelt, muss ich mir immer wieder die gleichen zwei Fragen anhören: 1. Hast du keine Angst, dass er sich verletzt/verbrennt? 2. Da geht doch bestimmt ständig etwas zu Bruch, oder?
Nun, ehrlich gesagt. 1. Nein und 2. selbst wenn. Es ist so schade das diese Zweifel und unbegründeten Ängste den Kindern in ihrer Entwicklung im Wege stehen. 

Das in einer Küche potenzielle Gefahren liegen ist mir bewusst, doch auch Emil weiß um diese Gefahren - eben gerade weil er hier tätig sein darf und das von Anfang an (mit ca. 18 Monaten hat Emil angefangen sich mehr und mehr für die Küchenarbeit zu interessieren). 
Er weiß einfach was heiß bedeutet, er weiß wie es aussieht, wenn Wasser kocht. Er weiß, dass ein Messer schneidet - er hat es gesehen, er hat es viele viele Male selbst durchgeführt. 
Ich kann ja immer nur die Beobachtungen von meinem eigenen Kind teilen, aber Emil ist so achtsam und vorsichtig. Mit sich selbst, aber auch im Umgang mit Gläsern und Geschirr. Er weiß einfach was passiert, wenn doch mal etwas runterfällt, er hat es selbst gesehen, er hat es selbst erlebt und im Anschluss die Scherben mit aufgeräumt. 
Wenn ich ihm bei einer für ihn neuen Tätigkeit zur Seite stehe, vertraut er schlicht auf meinen Rat, weil er weiß, dass er sich im Anschluss selbst ausprobieren darf. Er darf es selbst tun, wenn er es möchte, er darf tätig sein und sich entwickeln.

Emil hat sich tatsächlich noch nie verbrannt und sich bisher einmal in den Finger geschnitten und zwar als er das erste Mal eine Kartoffel geschält hat. 
Und wie gesagt natürlich hat Emil schon mal etwas zerbrochen, so wie ich auch, so wie wahrscheinlich alle hin und wieder - in Momenten der Unachtsamkeit aber niemals mit böswilliger Absicht. 

"Kinder bekommen sehr schnell mit, wenn wir sie von sinnvollen Tätigkeiten ausschließen und sie für nicht fähig oder willens halten, auf konstruktive Weise am gemeinsamen Leben teilzunehmen." Unsere Ängste und Zweifel sollten daher niemals der Entwicklung unserer Kinder im Wege stehen! Wir schränken sie dadurch unnötig ein - sie wollen und können sich selbst durch die Arbeit, die sie leisten, beweisen. 

Sie erfreuen sich an sinnvoller Tätigkeit und es ist ihnen ein inneres Bedürfnis diese zu leisten, hindert sie nicht und habt Vertrauen. Vertrauen ist der Schlüssel.




Die Zitate stammen aus dem sehr zu empfehlendem Buch: Das Kind verstehen von Silvana Quattrocchi Montanaro*

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6 Kommentare:

  1. Kinder in der Küche machen wirklich so viel Spaß!
    Sie helfen so gerne mit und sind so stolz auf sich selber :)

    Liebste Grüße
    Julia

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  2. Henri (2) darf hier im haushalt auch immer fleißig mithelfen und ich liebe seinen stolzen Blick, wenn er wieder etwas Neues alleine geschafft hat. Hast Du einen Tipp für Messer, etc. die für 24 Monate alte Kinder gut geeignet sind.

    LG Verena

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    1. Mit gerade zwei Jahren hat Emil noch mit einem Wellenschneider geschnitten - schau doch mal hier bei dir lieben Anna, findest du eine wunderbare Zusammenfassung

      http://www.elternvommars.com/2015/04/messer-kleinkinder-und-montessori.html

      ganz liebe Grüße, Mathilda

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    2. Danke... da werde ich gleich mal schauen.

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  3. Liebe Mathilda!
    Habe gerade meinen heutigen Beitrag veröffentlicht und dann noch bei meinen Lieblingsblogs vorbei geschaut und musste schmunzeln :)
    Mein heutiger Beitrag:
    https://tigersabenteuer.wordpress.com/2016/02/23/kochen-als-unglaublich-spannendes-erlebnis/
    Ich finde deinen Beitrag großartig und freu mich schon auf die beiden anderen Teile! Wäre es für dich in Ordnung, wenn ich den Beitrag am Ende meines Beitrags verlinke? Er beinhaltet so viele wichtige Infos, die am besten jeder mal lesen sollte!
    Schönen Abend noch!
    Liebe Grüße,
    Ricarda

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    1. Hallo Ricarda, vielen Dank. Gern kannst du meinen Beitrag auf deinem Blog verlinken.
      Liebe Grüße, Mathilda

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