Das Spiel, ist die Arbeit des Kindes

Für mich ist der Weg hin zur Montessori-Pädagogik und deren Umsetzung Zuhause zunächst einmal eine reine Kopfsache gewesen. Durch das Einlesen in die Pädagogik, das Weltbild und die Sicht Montessoris auf das Kind wurde mir klar, dass die Umsetzung allein bei mir selbst beginnt.
Lange bevor Emil  sein eigenes Spielregal bekam, oder gar originale Montessori-Materialien besaß, änderte sich meine Sicht auf mein eigenes Kind - ich nahm ihn sensibler wahr. 


 



Das Ganze ist ein andauernder Prozess, der sich bis heute ständig ausbaut und weiterentwickelt - schon einfach weil Emil sich stets weiterentwickelt und ich ihm in seiner Entwicklung gerecht werden möchte.
Ich lernte zunächst ihn ausschließlich zu beobachten. Lernte an unpassender Stelle weniger zu reden, lernte ihm zu vertrauen und lernte vorallem ihn nicht zu stören oder gar ihn zu unterbrechen!




 


Leider besitzt das kindliche Spielen in unserer Gesellschaft einen scheinbar geringen Stellenwert. Sätze wie: "ach, der spielt doch nur" fallen oft und besitzen einfach einen herabwürdigenden Unterton.

Eines muss man dabei jedoch wissen - das "Spiel" des Kindes und die "Arbeit" des Erwachsenen sind von Grund auf verschieden!


Wir  Erwachsenen erledigen Dinge zielgerichtet, aus einem bestimmten Grund heraus und am besten alles noch so schnell wie möglich. Bei unseren Kinder ist es jedoch ganz anders. Sie führen die Tätigkeit aufgrund der Tätigkeit selbst durch.

Wenn mir also auffällt, dass ein Teller dreckig ist, spüle ich ihn zackig ab und stell ihn zum Trocknen hin, fertig. 

Wenn Emil jedoch danach ist etwas abzuspülen, nimmt er sich seine kleine Wanne, seine kleine Bürste und einen sauberen Teller aus seinem Regal und schrubbt und schrubbt und schrubbt .. stellt ihn zwischen durch vielleicht mal ab, schrubbt kurz seine Wanne und schrubbt danach wieder diesen einen Teller. 
Dies tut er einzig und allein um des Schrubbens-Willen und garantiert nicht weil der Teller wieder sauber werden muss.







Nachdem uns dieser Unterschied bewusst geworden ist, ist es nun an uns das Kind in seinem Tun und in seinem Tempo zu respektieren und es nicht zu unterbrechen nur weil wir vielleicht "bessere eine Lösung" kennen!
Mir fällt es immernoch stellenweise schwer mich zurückzunehmen, Emil meine Hilfe quasi nicht aufzudrängen, weil ich ihm etwas Gutes tun möchte. Doch das ist einfach keine wahre Hilfe - dadurch bremse ich ihn aus, nehme ihm die Freude am experimentieren - wenn er an irgendeiner Stelle nicht weiter kommen sollte, dann teilt er mir das schon von ganz alleine mit.



Hilf mir, es selbst zu tun!
Zeig mir, wie es geht!
Tu es nicht für mich!
Ich kann und will es alleine tun!
Hab Geduld, meine Wege zu begreifen!
Vielleicht brauche ich mehr Zeit,
weil ich mehrere Versuche machen will.
Mute mir auch Fehler zu,
denn aus ihnen kann ich lernen!

-Maria Montessori-


Dieses wohl bekannteste Zitat erzählt soviel über Respekt, Vertrauen, Geduld und Liebe!
 





Wenn man es nun schafft das Kind in seiner Tätigkeit nicht zu stören und es weiterhin beobachtet, kann man ein Phänomen entdecken, welches Maria Montessori als Polarisation der Aufmerksamkeit bezeichnet.

Momente höchster Konzentration. Das Kind scheint wie gefesselt von seiner Arbeit zu sein, ist komplett in die bestimmte Tätigkeit vertieft und taucht auch erst nach Minuten wieder auf.
Das ist gar nicht leicht so wie es zunächst vielleicht den Anschein hat und vor allem ist es sehr anstrengend. 
Aus Respekt vor dieser mentalen Leistung der Kinder bezeichnet Montessori das kindliche Spielen, als Arbeit. Auch in Montessori Kinderhäusern findet sich nicht das "Freispiel", sondern die "Freiarbeit".




Für mich ist dieser Aspekt die Grundlage für die Umsetzung der Montessori Pädagogik für unser Zuhause geworden. 

Alles andere (Spielregal, Waschtisch, Montessori Materialien ...) ergibt für mich erst einen wahren und tieferen Sinn im Sinne Montessoris, wenn ich den Unterschied zwischen der Arbeit des Kindes und des Erwachsenen verstanden habe. Und zudem bereit bin meinem Kind in seinen Handlungen zu vertrauen und geduldig abzuwarten.

Vor allem die Geduld und ich sind noch nicht die allerbesten Freunde, jedoch arbeiten wir jeden Tag an unserer Beziehung.




2 Kommentare:

  1. Oh ja, die Geduld ... :-) Es ist immer wieder ein neuer täglicher Versuch so zu handeln, wie ich es mir wünsche und mich nicht durch Stress und andere äußere Umstände steuern zu lassen. Das lässt sich natürlich nicht immer vermeiden, manchmal muss man einfach. Aber den Gedanken der Montessoripädagogik, dem Kind etwas zuzutrauen, sich an die Hand nehmen zu lassen finde ich so wertvoll!
    Liebe Grüße
    Stefanie

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    1. Jeder Tag ist unterschiedlich und birgt neue Herausforderungen, genauso wie auch jedes Kind anders ist und jenachdem ist es wichtig ganz individuell neu zu entscheiden, es gibt für nichts die eine perfekte Lösung. Ich danke dir für deinen Kommentar.
      Liebste Grüße, Mathilda

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