Still-leben

Es ist tatsächlich soweit. 
Ohne, dass es mir in dem Moment wirklich bewusst war, noch dass ich mich genau daran erinnern könnte. Irgendwann letzte Woche haben Emil und ich das letzte Mal gestillt. Ich glaube, es war morgens nach dem Aufwachen zusammen geschmust unter der warmen Decke. 
Einfach so ist es nun also vorbei. Knapp 23 Monate Stillbeziehung haben tatsächlich ein Ende gefunden. Komisch irgendwie, als ob etwas fehlt. Noch ist es nicht ganz real - für mich zu mindestens.


Nach Emils schweren Start ins Leben waren die Aussichten ihn überhaupt stillen zu können sehr gering. Emil bekam nach seiner großen OP zunächst die Flasche mit meiner abgepumpten Milch, da er für das saugen an der Brust einfach viel zu schwach war. 
Auch das Trinken aus der Flasche fiel ihm anfangs jedoch noch so schwer, dass er zusätzlich über eine Magensonde (ein kleiner Schlauch durch die Nase in den Magen) Milch bekam. Von Tag zu Tag und von Woche zu Woche wurde er jedoch zusehends kräftiger. Wir bekamen eine ganz wunderbare Stillschwester an die Seite und so ging es langsam los. Nun wurde immer zuerst gestillt. Dann kam es zum alles entscheidenden Wendepunkt. Immer wenn Emil von einer Schwester in der Nacht eine Flasche bekam, spukte er alles im hohen Bogen wieder aus und dann zog er sich auch noch die Sonde raus. Klingt erstmal gruselig ist es aber nicht wirklich. 
Einen Tag später durften wir nach Hause (mit der Auflage einer regelmäßigen Gewichtskontrolle auf der Krankenhausstation) und es wurde von dem Tag an ausschließlich gestillt, bis Emil mit 8 Monaten das erste feste Essen bekam und seitdem zusätzlich auch Essen schaufelt wie ein Irrer.


Stillen ist für mich so viel mehr geworden als nur mein Kind zu nähren. Stillen bedeutete vor allem die Nähe, von der Emil am Anfang leider viel zu wenig erhalten hat und ich mir bis heute dafür noch schwere Vorwürfe mache. 
Sein Kind zu stillen empfand ich während der Schwangerschaft noch schlichtweg als meine Pflicht als Mutter doch es entwickelte sich zu einer wahren Leidenschaft. Ich habe es wahrlich genossen und die Nähe zu Emil hat mir den Mut gegeben in mich selbst als Mama wieder Vertrauen zu fassen.
Ich bin stolz auf meinen kleinen Bub - damals als er sich ganz energisch für das Stillen entschieden hat - heute da er sich selbst dazu entschieden hat sich abzustillen und auch jeden Tag dazwischen, weil er ist wie eben ist.




2 Kommentare:

  1. Wow, finde ich richtig klasse, dass du das mit dem stillen so durchgezogen hast und es euch so schön dabei gegangen ist :-)
    Hat er einfach so nicht mehr gewollt oder wie war das genau? :-)

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  2. Ganz ehrlich war es anfangs nicht mein Plan solange zu stillen, aber ich hatte einfach keine genaue Vorstellung von einer Stillbeziehung und habe Emil entscheiden lassen. Es kam eine Zeit in der er mich nachts mit einem Schnuller verwechselt hat und die ganze Nacht an mir hing, das wurde mir zu krass und hatte nichts mehr mit stillen im eigentlichen Sinne (für mich) zu tun. Daraufhin haben wir eine kleine Regel eingeführt: Stillen zum Einschlafen und dann erst wieder am nächsten Morgen, wenn der Wecker klingelt. So haben wir wieder zum schönen Stillen zurückgefunden und irgendwann ersetzte Emil das abendliche Stillen lieber durch ein Buch und fragte auch nicht mehr nach der Brust und stillte nur noch am Morgen und irgendwann war auch das vorbei... hach ja.

    Liebst, Mathilda

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