Augen auf beim Bücherkauf

Ich ärgere mich. Sehr stark - vor allem über mich selbst.


Es war so: ich verpasste die Bahn und ging anstatt in der Kälte zu warten in den Buchladen gleich neben der Haltestelle. Ich fand natürlich mehrere schöne Bücher, die ich gedanklich sofort auf die Geburtstagsliste für Emil setzte. 
Und eins fand ich so toll, dass ich es gleich mitnahm: Schau was krabbelt im Wald?

Ich zählte noch schnell ob die Spinne auch wirklich 8 Beine hatte und die Ameisen nur 6 - ich bin Biologin, das passiert unterbewusst - und dann Kasse, Bahn und ab nach Hause.

Emil wollte das neue Buch auch gleich anschauen und so las ich ihm vor. Es dauerte nicht lang und es ergab sich folgende Situation:


Bildquelle: Schau, was krabbelt im Wald?, Katarzyna Bajerowicz, 1. Auflage 2015, Loewe Verlag



Emil: Oh. Klo sitzen

ich: OHH, nein.


Warum werden Tiere in Kinderbüchern so oft vermenschlicht dargestellt? Weil die Situation den Kindern so bekannter ist, vielleicht. Vertrauter, weil sie sich es dadurch vielleicht besser vorstellen können, wie es in einem Ameisenhügel aussieht? Möglich. Aber warum sollten sie nicht die Realität kennen lernen dürfen?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich finde es einfach nur schade und auch unnötig. 
Vielleicht bin ich da auch zu pingelig - immerhin zähle ich Spinnenbeine, aber wenn ich erfahren wöllte wie es in einem Ameisenhaufen aussieht, würde ich dadurch eben ein falsches und unrealistisches Bild bekommen. 
Wie seht ihr das?






17 Kommentare:

  1. Ich sehe das genauso !! Habe -wohl unbewusst- immer schon Probleme gehabt, den Kindern von "Autofahrenden Hasen" und "Tanzenden Kühen" vorzulesen...seit ich mich genauer mit Montessori beschäftige, habe ich diese Bücher aussortiert und mir einige sehr schöne und empfehlenswerte Tierbücher angeschafft....Die Kinder lieben sie und ich kann ihnen die Realität zeigen....Maulwürfe essen nämlich Regenwürmer und keine Pizza ;-) LG Melli T aus B

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    1. Hallo Melli
      ich freue mich, dass du zu uns gefunden hast und noch mehr freue ich mich eine Gleichgesinnte gefunden zu haben. Genau das Gleiche habe ich nämlich auch mit den Fahrrad fahrenden Schafenund den Regenmantel tragenden Schweinen getan, alles aussortiert (deswegen ärgere ich mich nur umso mehr) und manch einer zeigt mir dafür auch einen Vogel. Ich denke Märchen, Fabeln etc. haben durchaus eine Daseins-Berechtigung auch für Kinder, aber eben erst ab höherem Alter (6-7 Jahre) und davor sollten sie meiner Meinung nach nur die reale Welt kennenlernen dürfen.

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  2. Ehrlich gesagt, mir wäre das im ersten Moment auch nicht aufgefallen. Aber stimmt schon. Man muss die Tiere nicht so vermenschlichen.

    Irgendwie kommt mir das Buch bekannt vor.

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    1. Es ist doch einfach unnötig, oder nicht. Mhh.. vielleicht hast du es selbst im Buchhandel gesehen, es ist noch nciht lang auf dem Markt.

      Liebst Mathilda, eure Hochzeitsbilder sind so schön ♥♥♥

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  3. Liebe Mathilda,
    ich verstehe den Ansatz, den Kleinsten unter uns das Verstehen und Begrreifen dieser Welt so einfach wie möglich zu machen. Dazu gehört sicherlich, die Materialien sorgfältig auszuwählen, die wir unseren Kindern auf diesem Weg zur Verfügung stellen. Allerdings sehe ich es persönlich nicht ganz so streng. Die frühen Kinderjahre haben etwas Magisches, eben auch darin ,wie die Welt gesehen und wahrgenommen wird. Und ich glaube nicht, dass diejenigen unter uns die ein paar Jahre lang glaubten, dass es Christkind, Zahnfee oder Osterhasen wirklich gibt, für ihr Leben ernsthaft geschädigt wurden. Ich vertraue darauf, dass mein Kind das Leben, die Kunst, Realität und Fantasie nach und nach als ein großes Ganzes insich aufnehmen kann. Dass es die Fähigkeiten mitbringt sich zurecht zu finden, auch wenn es mal auf den Arm genommen wird oder eine Ameise auf der Toilettenschüssel erblickt. Ich würde sagen "Ärger dich nicht" Wer weiß wofür es gut ist oder war, dass ihr nun genau dieses Buch in eurem Bücherregal stehen habt." In diesem Sinne, alles Liebe und Gute für Euch" Herzlich, eine Mutter

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    1. Ich danke dir für deine lieben Worte. Was soll ich nur tun, ich kann es auch gar nicht richtig beschreiben, es stößt mich einfach ab. Sicherlich ist die Vorstellung eines großen ganzen schön, aber ich stelle es mir im Nachhinein auch schwerer vor nochmals extra nach Wahrheit und Fantasie zu filtern - vorallem in solch zartem Alter.
      Ich habe es erstmal aussortiert.

      Liebste Grüße und vielen Dank für deinen Kommentar

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  4. Mein Sohn hat sich immer etwas "veräppelt" gefühlt,
    wenn ich ihm von sich verkleidenden Schnecken, singenden Kühen und sich frisierenden Hühnern vorgelesen habe.
    Auf dem Bauernhof gab es das so nämlich nicht... ;-)

    Liebste Grüße
    Julia

    PS: Toll, dich, dein IG und deinen Blog "entdeckt" zu haben!

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    1. Ach du Liebe ♥♥♥
      Das Gefühl hatte ich bei Emil auch schonmal, als die Ente im Buch eine Mütze trug und jene, die auf dem Teich schwamm natürliich keine.

      Ps: Lieben Dank, ich freue mich wirklich sehr darüber. Ist es doch gerade bei dir so besonders schön!

      Liebst, Mathilda

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  5. Hallo Mathilda :-)

    als glückliche mama von zwei töchtern (9 und 2) die mehr oder minder mit montessori groß werden, kann ich deinen ansatz voll und ganz nachvollziehen. zumindest bei büchern die erklären soll und die "realität" abbilden. das gilt für die große wie für die kleine. aber viele, viele geschichten sind dann eben doch pure phantasie und märchen und die möchte ich nicht missen, mumins, marry poppins (die bücher !) lisbet, die kleine hexe, bücher von paul biegel, james krüss oder ottfried preußler, oder die figur meiner kindheit, der kleine maulwurf. alles herrlich unrealistisch und schrecklich schön zum vorlesen, auch teilweise schon für die kleine...
    nun könnte man natürlich anführen, dass man die magie und den unfug in büchern erst ab einem gewissen alter zuläßt, aber ab wann? 5? 6? das wär mir viel zu spät :-D dafür lese ich viel zu gerne vor und meine kinder hören viel zu gerne zu. das macht sich mit naturwissenschaftlichen bücher doch schwer.

    mir geht es übrigens wie julia, dein blog via. eltern vom mars entdeckt zu haben, macht mich sehr glücklich :-D auch wenn wir dem alter deines sohnen schon entwachsen sind, liest es sich trotzdem ganz wunderbar mit.

    liebe grüße
    claudia

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    1. ch kann dich wirklich gut verstehen, ich habe doch auch noch all meine Kindergeschichten im Herzen. In dem Buch "Montessori von Anfang an" wird wirklich eine Alter von 6-7 Jahren empfohlen, dass finde ich persönlich auch etwas krass. Zur Zeit habe ich bei Emil jedoch eher das Gefühl, dass er sich veralbert vorkommt, wenn ein Tier auf dem Klo sitzt, gerade weil er selbst ja schon selbstständig auf Töpfchen geht vielleicht.
      "Der Regenbogenfisch" "Der kleine Wassermann" etc. denke ich würde er eher annehmen, weil die Geschichten von Anfang an magisch und zauberhaft ist.
      Dieses Buch jedoch ist stellenweise sehr real und dann auf der nächsten Seite etwas komplett verwirrendes. Dann fange ich an zu erklären, dass ist nicht real der Rest jedoch schon, verstehst du worauf ich hinaus will? Ich hoffe es ist nicht zu konfus beschrieben. Entweder alles Fantasie oder alles real finde ich, sonst fällt das sortieren nach wahr und unwahr glaube ich schwerer.

      Ich danke dir für deine lieben Worte und deinen lieben Kommentar - ach herjee, so lieb von dir. Im April beginne ich ein Montessori-Diplom beim Deutschen Montessori Dachverband für Kinder von 3-10 Jahren, vielleicht kann ich dann auch mal eine Idee für ältere Kinder anbringen.
      Deine Worte bedeuten mir wirklich sehr viel. Dankeschön.

      Liebst, Mathilda

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  6. Hallo Mathilda, wird in dem Buch nicht noch viel mehr veranschaulicht? Allein die Türen zu den Gängen oder wie die eine Ameise so zur Spinne herunter ruft..eine komplett realistische Abbildung wäre vielleicht nicht ansprechend genug.
    Grüße, Julia

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    1. Hallo Julia, das stimmt schon. Jedoch ist ein real gezeichneter Ameisenhaufen doch bestimmt auch interessant und sicherlich auch übersichtlich. Ich bin einfach der Meinung, dass diese Vermenschlichung nicht nötig ist. Aber das ist wie gesafr auch nur meine persönliche Einstellung.
      Liebst, Mathilda

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  7. Hallo Mathilda, ich beschäftige mich noch nicht so lange mit Montessori und dein Artikel hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich gebe zu, bisher hatte ich bei der Bücherauswahl diesen Aspekt noch gar nicht weiter berücksichtigt. Aber ich finde es durchaus stimmig, dass in diesem kleinen Alter vieles eher verwirrend wirken kann. Zumal ich jeden Tag merke, wie mein Sohn (18 Monate) sich bemüht die Welt und ihre Regeln zu verstehen.
    Aber ich muss mich auch den Meinungen einiger anderen über mir hier anschließen...ich könnte nicht bis zum 5. oder 6. Lebensjahr mit den vielen schönen und fantasievollen Geschichten warten. Ich freue mich schon so auf die Vorlesezeit und fände es irgendwie traurig, wenn da kein Raum für Fantastisches wäre.
    Ich werde da einfach in Zukunft für mich einmal in Sachbücher differenzieren (die etwas erklären sollen und dort möchte ich dann auch nur realistische Abbildungen) und in Geschichten, in denen alles möglich ist und die es dann auch ab dem Vorlesealter geben wird.

    Wie sieht es denn mit Figuren wie dem Weihnachtsmann, Christkind oder Osterhasen bei Montessori aus? Werden die Eier dann z. B. auch nicht vom Osterhasen versteckt?

    Und zum Schluss noch ein Kompliment an dein Blog :-)! Ich bin auch über Eltern-vom-Mars hier gelandet und schau nun immer wieder gerne vorbei.

    Liebste Grüße
    Nadja

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  8. Hallo Nadja, lieben Dank für deinen Kommentar. Wie bereits erwähnt, denke ich, dass Emil reine Fantasiegeschichten eher annehmen würde. Ich weiß noch nicht in welchem Alter wir sie ihm vorstellen werden und ich möchte mich da auch ungern festlegen. Zum Thema Weihnachtsmann etc. habe ich tatsächlich nicht nichts gefunden. Ich werde mal detailierte auf die Suche gehen.
    Ich danke dir für das Kompliment, es bedeutet mir wirklich viel und ich freue mich, dass du zu uns gefunden hast.

    Liebst, Mathilda

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  9. Ich sehe es wie du, liebe Mathilda. Ich mag es real. Warum den Kindern ein falsches Bild vermitteln?!

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  10. Deine Bedenken regen mich sehr zum nachdenken an. Ich habe noch keine abschliessende Meinung. Ich möchte auf mama muhh und wassili Waschbär nicht verzichten auch nicht auf die Bremer stadtmusikanten. Wir lesen aber genau so gerne z.B. die Maus im Apfelhaus . Ich glaube das Kinder den Unterschied verstehen, wenn sie echte Tiere erleben können. Ich bin theater pädagogin und habe dort die Erfahrung gemacht, das gerade den den 3 und 4 jährigen der spieleinstieg über das vermenschlichte Tier besonders leicht fällt. Von realistischen tier kommen sie so zum echten Mensch. Aber ich verstehe deinen und Montessoris Ansatz. Ich denke drüber nach. Danke. Romy

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  11. Liebe Mathilda!

    Ein ähnliches Problem hatte ich auch schon mit den Kinderbüchern... Es ist gar nicht so leicht montessori-gerechte Kleinkindbücher zu finden, obwohl der Markt voll ist mit verschiedenen Büchern. Toll, dass du darüber geschrieben hast! (Zum Thema toddler reading habe ich auch schon was auf meinem Blog geschrieben; ich habe mir daraus ein Hobby entwickelt, wie ich mir die Kinderbücher mit "anderen Augen" anschaue :-))

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