Der stärkste Junge der Welt

Es ist der 3.4.2013. Es sollte der glücklichste Tag in unserem Leben werden, der Geburtstag unseres Sohnes Emil. 

Ich weiß es noch wie heute. Es war in diesem Jahr noch so kalt anfang April, dass sogar noch ein bisschen Schnee lag.

Emil war in einer Beckenendlage (BEL) in meinem Bauch und da ich spontan entbinden wollte, war gleich eine ganze Schar an Hebammen und Ärzten dabei als Emil auf die Welt kam. 

Ich war so glücklich und wollte ihn nur noch halten und küssen, aber ich bekam ihn nur ganz kurz zu Gesicht. Er gab keinen einzigen Laut von sich. Furchtbare Stille. Die Kinderärzte, die routinemäßig bei einer Entbindung aus einer BEL anwesend sind, reagierten sofort. Sie saugten und gaben ihm Sauerstoff und dann waren sie auch schon weg mit ihm auf die Intensivstation. Weg war er. Es war wie ein Horrorfilm in dem man die Hauptrolle spielt.

Felix ist ihnen gleich hinterher und ich war allein mit der größten Angst, die ich je gefühlt habe und die mir bis dahin vollkommen fremd war. Die Angst um das Leben meines Kindes. 
Die nachfolgenden 5 Stunden waren wohl die Schlimmsten in unserem Leben. Die Ärzte konnten keine genaue Ursache für seine Atembeschwerden finden. Einer der letzten Untersuchungen war ein Thorax-Röntgen. Als das Bild da war, wurde es hektisch und als ich es sah brach ich zusammen (-ich bin Biologin und mir war sofort klar, was ich da sehe). Emil hatte eine Zwerchfellhernie entwicklet. Sein Zwerchfell hielt seinem ersten Atemzug und den dabei herschenden Druckverhältnissen im inneren des Körpers nicht stand. Es bildet sich ein Loch auf der rechten Seite. Dadurch, dass er 5 Stunden versucht hat selbstständig zu atmen, haben sich die Organe, die eigentlich durch das Zwerchfell von der Lunge abgegrenzt sind durch das Loch dahin gedrängt wo eigentlich seine Lunge sein sollte. Es war unbeschreiblich schrecklich.

Emil wurde sofort sediert und stabilisiert, sodass er schnellstmöglich operiert werden konnte. Diese Vorbereitung hat eine ganze Woche gedauert, eine Woche in dem er nahezu regenungslos in seinem kleinen Bettchen lag und schlief. Tag und Nacht saßen wir an seinem Bett und vorallem ich durfte nicht allzu viel sprechen, da er sofort unsere Stimmen erkannte und unruhig und wach wurde. Als Emil eine Woche alt war, konnte er operiert werden. 
Danch besserte sich sein Zustand zusehends. Von Tag zu Tag machte er Fortschritte und erholte sich ganz wunderbar von diesem großen Eingriff. Er musste nicht mehr beatmet werden und wurde wacher und wacher. Als Emil 12 Tage alt war, durfte ich ihn das erste mal im Arm halten. Was soll ich sagen, es war überwältigend. Wie wenn eine große Welle, die einen einfach mitreißt - eine Welle aus Liebe.




Als Emil genau 4 Wochen alt war, durften wir endlich mit ihm nach Hause gehen. 

Heute ist er so gesund wie kaum ein Zweiter. Er rutscht und singt und dreht sich im Kreis und rennt rum wie ein wildes Huhn. Seine Gesundheit ist das größte Geschenk überhaupt. 
Gesundheit ist ein leider viel zu gering geschätztes Geschenk. 

Eine große Narbe, die quer über Emils Bauch verläuft, erinnert uns jeden Tag an seinen schweren Start aber auch daran, dass er für uns der stärkste Junge der Welt ist. 



Wir lieben dich - deine Eltern.




6 Kommentare:

  1. Oh man, da zieht sich einem alles zusammen. Ich kann nur erahnen wie dieses Gefühl gewesen sein muss. Sein Kind nicht im Arm halten oder in seiner Nähe nicht sprechen zu dürfen - furchtbar.
    Ich freu mich für deine kleine Familie, dass jetzt alles gut ist und Emil sich wunderbar entwickelt hat. :)
    Liebe Grüße, Bell

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte und deinen Zuspruch.
      Die Tatsache, dass es Emil so gut geht, macht das Leben zu einem noch viel größeren Wunder - falls das überhaupt möglich ist. Auch die Erleichterung und das Glück um seine Gesundheit sind kaum in Worte zu fassen.
      Einen lieben Gruß in die alte Heimat.

      Liebst, Mathilda

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  2. Jetzt muss ich heulen... Schnieeef!
    Wie wunder schön das es Emil heute sooo boendend geht!
    DRÜCK EUCH!

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  3. Ach herjee, das wollte ich nun wirklich nicht.
    Ich danke dir vielmals liebe Karina. Ab und an, ganz still und leise denke ich an diese Zeit zurück und verdrücke ein paar Tränen, aber dann sehe ich ihn mir an dieses kleine Energiebündel mit seinen roten Wangen und vorbei ist der Schmerz.

    Liebsten Dank nochmals, Mathilda

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  4. Es ist wirklich ein unglaubliches Glück gesunde Kinder zu haben.
    Ich musste jetzt wirklich weinen :( aber es ist so schön, dass es deinem Kind jetzt gut geht. Alles Gute weiterhin und viel Gesundheit!

    Ganz liebe Grüße

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    1. Oh nicht weinen. Es stimmt, dass die Gesundheit oftmals leider als selbstverständlich hingenommen wird. Auch von mir. Bis der Emil kam und sowieso alles änderte. Gesunde Kinder sind ein wahrer Segen umso wertvoller sind sie.
      Liebe Line, ich danke dir.

      Liebst, Mathilda

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