Windelfrei?! ein Erfahrungsbericht

Als ich neulich dieses Bild von Emil bei Instagram postete, löste es doch eine kleine Welle der Diskussion aus bzw. warf einige Fragen auf. Daraufhin entschloss ich mich einen kleinen Einblick in unsere windelfrei Erfahrungen zu zeigen und so vielleicht den ein oder anderen Tipp weiterzugeben.



Unsere windelfrei Geschichte begann als Emil ca. 10 Wochen alt war. Er musste wegen einer Leistenhernie operiert werden und die klitzekleine Narbe konnte an frischer Luft besser heilen und so ließen wir die Windel einfach weg. 
Ich legte ein gefaltetes Handtuch unter seinen Pops und ließ ihn wie immer fröhlich auf seiner Krabbeldecke spielen. Und da ging es auch schon los: Piesel überall. Wer auch einen kleinen Jungen hat, weiß welches Ausmaß so ein Pieselbogen haben kann. Ich nahm also ungefähr aller 20 Minuten ein Mulltuch und wischte. 
Dann viel auch mir endlich diese zeitliche Regelmäßigkeit auf und so hielt ich ihn über eine Schüssel und sagte: so Emil, du kannst pullern. Es passierte ... nichts. 
Und ich legte ihn wieder hin. Kaum das er lag, kam auch schon der kleine Pieselbogen und ich dachte mir ... (nachdem ich mit wischen fertig war) schön. 
Ich hatte ja anscheinend gar nicht so Unrecht. Nach weiteren 20 Minuten also wieder das gleiche Spiel - ich hielt ihn ab und sagte: so Emil, du kannst pullern. Wieder keine Reaktion. 
Da fiel mir diese "Wasserrauschen-veranlasst-Blasendrang-Sache ein" und ich machte ein ausgiebiges SSSsssssss-Geräusch und siehe da. Unser erster aufgefangener Pieselbogen. Emil grinste wie immer und ich war so super stolz auf uns. 
Das war mal wieder einer dieser Aha-Momente und ich begann mich darüber zu informieren - vor allem hier.


Wie kann man nun sein Baby überhaupt abhalten? Emil war mit seinen fast 3 Monaten ja schon recht stabil und kein wabbeliges Neugeborenes mehr. So setzte ich ihn mir auf die Unterarme und griff mit den Händen in seine Kniekehlen - siehe Foto unten.




Aller 20 Minuten und natürlich auch wenn er einen roten Drückekopf machte, hielten wir ihn so über ein Töpfchen, Klo oder alles was zur Hand war. Nach ein paar Tagen bemerkte ich ein zusätzliches Geräusch was Emil immer kurz vor dem pieseln von sich gab und achtete seitdem nur noch darauf und ließ die zeitliche Methode wieder fallen. 
Jedoch begleitete ich das Abhalten immer von einem ausgedehnten SSSsssssss-Geräusch und während dessen erklärten wir ihm was er da gerade macht.

Bei Instagram kam auch die Frage auf: was ist, wenn das Baby während des Stillens kacken (wir benutzen immer dieses Wort, ich hoffe es stören sich nicht allzu viele daran, wir sind einfach nicht die Aa-Typen) muss. 
Zunächst einmal ist das ganz häufig - der vorne rein, hinten raus Effekt. Bei Emil spürte ich von Anfang an "wenn er besonders stark an der Brust stillte, muss er garantiert kacken". Ich fand bei meinen Recherchen im Internet einen tollen Youtube-Kanal unter anderem mit diesem Video. So bestellte ich ein sogenanntes Asiatöpfchen hier online und hielt ihn also bei nächster Gelegenheit während des Stillens ab.




Zugegeben es erfordert ein wenig Übung (vor allem bei Jungs) alles in einem Töpfchen unter zubringen, aber es funktionierte wirklich prima.

Was ziehe ich meinem Kind dafür an? 
Nun das ist stark abhängig wo und wie ihr wohnt und was ihr für Vorlieben habt. Besitzt ihr einen Garten in dem euer Kind den ganzen Tag halbnackt rumrennen kann und eh überall wo es mag die Blumen bepieselt, oder in einer Stadtwohnung mit kalten Fußboden? Im Sommer haben wir Emil immer nur obenrum bekleidet und ihm Stulpen, bzw. Baby-legs und Socken angezogen - so geht es einfach schneller, wenn das Pieselzeichen kommt - man kann das Baby so gleich abhalten oder auf ein Töpfchen setzten ohne erst noch Lagen von Kleidung runterzuziehen. Im Winter war das da schon etwas schwieriger, da wir in einer Altbauwohnung wohnen und die Böden schon recht kalt sind - haben wir ein, zwei Haushosen dazu verurteilt doch immer mal wieder vollgepieselt zu werden. 
Es gibt dafür aber auch sogenannte Splitpants


Die windelfrei-Ausstattung wuchs mit Emil mit und so kamen nach und nach neben dem Asiatöpfchen, ein Töpfchen von Ikea (an alle, die noch keines haben. Dieses Töpfchen kann ich persönlich sehr empfehlen, da es sich sehr viel leichter ausleeren lässt, da es einen rausnehmbaren Einsatz hat - unser erstes steht nun bei Oma und Opa) und neuerdings ein Kindertoilettensitz dazu, da Emil mittlerweile (20 Monate) gern darauf besteht auf das große Klo zu gehen.


links Asiatöpfchen, rechts Kindertoilettensitz aus der Drogerie

Wenn euer Baby einen großen motorischen Schritt macht (Krabbeln oder Laufen lernt), nicht wundern wenn auf einmal aller 10cm alles vollgepieselt ist. Diese starke Veränderung lässt alles andere erstmal zur Nebensache werden - die klassische Situation in der wir wieder eine Windel verwendet haben. Auch wenn wir zu Besuch waren, denn nicht jeder mag einen vollgepieselten Teppich haben. 
Unterwegs haben wir entweder ebenfalls Windel, nur eine Art backup (eine Mullwindel in die Hose und fertig), oder gar nichts verwendet. Je nachdem wie lang der Ausflug war oder wohin es ging. Uns hat es aber auch nie was ausgemacht Emil hinter den nächsten Baum zu halten und ihn dort pieseln zu lassen.

Probiert es doch einfach mal an einem ruhigen Nachmittag aus, vielleicht erstmal nur für ein oder zwei Stunden und schaut, ob ihr ein bestimmtes Pieselmuster entdecken könnt. Der rote Drückekopf ist ja meist nicht so das Problem. Lasst euch aber nicht abschrecken, wenn ihr gar nichts bemerkt - geht dann vielleicht nach der Zeit.
Ganz wichtig ist jedoch: bloß nicht das Ziel haben jeden Pieselbogen auffangen zu wollen, das wird nämlich nicht funktionieren und dann ist man womöglich noch verärgert auf sich selbst und dann wird es erst recht nichts. 

Am Ende ist es nur Piesel und mit einem Wisch ist alles weg.

Habe ich eigentlich windelfreie Familien unter meinen Lesern? Wie sind eure Erfahrungen mit dem  Thema und wie seit ihr darauf gekommen? 






6 Kommentare:

  1. Ich finde das SO beeindruckend und wünschte ich hätte den Mut dazu ;) besonders wenn ich sehe, wie Oscar noch in seinen windeln sitzt und diese nicht aufgeben mag, denke ich manchmal, vllt sollte ich es Samson da einfacher machen. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie ich das windelfrei in unseren Alltag integrieren könnte. Klingt doof, ist aber so

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    1. Mh. Ich glaube das Schwierigste an der ganzen windelfrei Sache ist der erste Schritt - die Windel zum ersten Mal "einfach" weg zu lassen. Die ersten Tage ist man die ganze Zeit darauf bedacht ja nix zu verpassen, aber dieses Freiheitsgefühl was die Kinder dadurch haben, ist es schon wert. Auch wenn man Anfang garantiert alles bepieselt ist. Nach ein paar Tagen Einspielzeit ist es wirklich keine große Sache - mehr auch nicht mit mehr mehr Aufwand verbunden - Windeln anziehen gestaltet sich ja auch ganz gerne mal als schwierig und zeitaufwändig - es läuft einfach nebenher mit. Man könnte es zu Beginn in den Alltag integrieren indem man immer nach dem Aufwachen direkt auf Klo geht - denn da muss garantiert jeder pieseln und dann kann Oscar ja die Windel wieder haben. So wäre er schon morgens und mittags einmal pieseln auf einem Töpfchen oder wo auch immer. Das wäre doch schonmal ein Anfang oder?

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  2. Wir haben das beim Kleinen auch gemacht. Zumindest bis dann das Krabbeln losging. Seitdem weint er jedes Mal wenn wir versuchen ihn abzuhalten :( Das geht nun leider schon über 2monate so. Nun hat er auch wieder öfters einen wunden pö, was er vorher ohne Windeln nie hatte. Beim Großen war uns das (erstes Kind) noch irgendwie zu viel. Da haben wir nur die Shtoffwindeln verwendet.
    Windelfrei macht auf jeden Fall Spaß (wenn man sich nicht unter Druck setzt und einem evtl. Unfälle nichts ausmachen). Sogar Oma hat es dann versucht und nach wenigen malen hat sie das mit der Kommunikation auch raus gehabt :)
    Drauf gekommen bin ich durch einen Babypflegekurs in unserem Geburtshaus und hab mich dann im Interent weiter informiert.
    LG

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    1. Hallo Heinreich,
      Emil hat sich auch im Krabbelalter nur noch ungern abhalten lassen, es war sei Weg uns mitzuteilen, dass er lieber selbstständig auf dem Töpfchen sitzen wollte. Ich kenne ja nur Emil und kann daher nur aus der Erfahrung mit ihm sprechen, vielleicht mag er schon lieber sitzen?! Ein Versuch ist es wert.
      Das Wickeln mit Stoff habe ich mich für die wenigen Male nie recht getraut, da ich einfach nicht wusste welches System für uns am Besten geeignet ist. Aber auch das wäre doch nch einen Versuch wert. Mal sehen, dann vielleicht beim zweiten Kind.
      Ich finde es so super, dass die Oma sich auch dafür interessiert und sich nicht zunächst "abschrecken" lässt, da sich ja doch viele davon zunächst überfordert scheinen.
      Lieben Dank für deinen Kommentar und schön, dass du zu uns gefunden hast.

      Liebst, Mathilda

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  3. Wir sind so ziemlich ab Geburt windelfrei :-)
    Es klappt mal gut und mal weniger gut^^
    Meine kleine ist nun 1 Jahr und kann sich selbst auf den Topf setzen^^ (das 1.Mal am 4.Juli :-P )
    Das sie das dann rechtzeitig macht ist selten der Fall, doch es ist schon vorgekommen^^
    Draußen mag sie sich mittlerweile nicht abhalten lassen, daher habe ich nun ein Töpfchen für unterwegs bestellt umd bin gespannt.
    Gerade habe ich ihr eine all-in-one stoffi angezogen, aber sie fand es sehr unangenehm nachdem sie sie ausgibig untersucht hat^^
    Ich konnte es mir auch nicht ansehen, dieses große Windelpacket^^ daher kam sie wieder ab und sie lief weiter nackt durch die Wohnung :-)
    Es ist wirklich der wichtigste Punkt, den du ansprichst, dass man die Kontrolle afgeben soll und gelassen agiert !!^^
    Ich schreibe übrigens meine BachelorArbeit über die natürliche Säugling pflege :-)

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  4. Wow, kann ich da nur sagen. Von Geburt an ist wirklich eine starke Leistung, ich bin schon so gespannt wie wir es mit dem zweiten Baby halten werden. Es wird auf jeden Fall wieder so wenig wie möglich eine Windel um haben. Ich glaube, dass es vielen sehr schwer fällt diesen ersten Schritt "ich lasse heute einfach mal die Windel weg" zu gehen. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie ich mit hochrotem Kopf durch die Wohnung gestakst bin auf der Suche nach trockenen Mullwindeln, die ich unter Emils Po legen kann :D
    Es war ein Lernprozess, der eine ganze Weile gebraucht hat... aber es hat sich gelohnt.
    Wunderbar, viel Erfolg beim Schreiben.

    Liebst, Mathilda

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